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Mathias Adelhoefer

"Du" oder "Sie"?


Die Engländer, Amerikaner, Australier, Kanadier usw. haben es doch viel leichter - sie sagen einfach "you", wenn sie "du", "Sie", "ihr" oder "euch" meinen.

Für Deutschlerner ist die richtige Anredeform ein schwieriges Kapitel. Aus Angst, in ein Fettnäpfchen zu treten, wird lieber "Sie" als "du" gesagt, was "richtig" erscheinen mag, aber oftmals eher kommunikationshemmend ist, weil die Verwendung von "Sie" Distanz schafft.

Im allgemeinen duzen sich gute Freunde, Schüler, Studenten, Vereins- und Gewerkschaftsmitglieder, gleichaltrige Arbeitskollegen... Überhaupt kann man sagen, daß sich diejenigen duzen, die durch ein gleiches Interesse verbunden sind. So kommt es auch, daß Internet-Anhänger und E-Mail-Freunde sich eher duzen als siezen. Natürlich spielt dabei auch der Einfluß des Englischen eine gewichtige Rolle.

Ergo kann man sich auch im Internet gefahrlos duzen, egal wie alt die Kommunikationspartner sind.

Übrigens gibt es auch Mischformen, z.B. unter Arbeitskollegen ("Frau Schmidt, kannst du mir mal den Ordner geben?"), aber diese gehören zu den Ausnahmen.

Und wer siezt sich nun?

  • Erwachsene, die sich nicht kennen oder die eine höfliche Distanz aufrechterhalten wollen/müssen
  • Personen, zwischen denen ein großes Hierarchiegefälle besteht (z. B.: Student und Professor, Schüler und Lehrer)

    Im Unterschied zu einigen anderen Sprachen wird im Deutschen gleichberechtigt geduzt oder gesiezt. Ein Student würde sich also beleidigt fühlen, wenn sein Professor ihn duzt, selber aber gesiezt werden möchte. Auch sind die Zeiten lange vorbei, wo die Kinder die Eltern siezen mußten, umgekehrt die Kinder geduzt wurden...

    Ein geschickter Kompromiß ist auch die Plural-Anrede: Was für Erfahrungen habt ihr mit dem Duzen/Siezen gemacht?

  • Wenn ihr noch mehr über das Thema erfahren wollt, seien die folgenden Bücher empfohlen:

  • H. L. Kretzenbacher und W. Segebrecht, "Vom Sie zum Du - mehr als eine neue Konvention?", Hamburg 1991.
  • Werner Besch, "Duzen, Siezen, Titulieren - Zur Anrede im Deutschen heute und gestern", Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1996.
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    Stand: 13.11.2000 - Page created by Mathias Adelhoefer